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Förderverein des TiM Theater
Rückblick
Der überaus starke Willibald

Rheinische Post: Simon Pake

Die Mäuse-Diktatur

Mit dem Kinder-Musical "Der überaus starke Willibald" nach dem gleichnamigen Roman von Willi Fährmann feierte das TiM-Theater Premiere. Die jungen Schauspieler brachten ein eindringliches Stück auf die Bühne.

Moers. Das Stück "Der überaus starke Willibald" ist eigentlich für Menschen ab acht Jahren gedacht. Doch es spricht auch ein älteres Publikum an. Wenn da in einer Mäusediktatur die Rede von "Ein Boss, ein Haus, ein Rudel" ist, sind Bezüge zum Nationalsozialismus offenkundig. Dennoch reichtete sich das von Karin Derks inszenierte Stück mit seinen vielen Liedern eindeutig an junge Zuschauer. Da wurde auf der Bühne wild getanzt, es gab Verfolgungsjagden durch das Publikum, und nicht zuletzt wurden alle Lieder selbst gesungen. Es war schon eindringlich, wie die jungen Schauspieler das Mäuse-Rudel darstellten. "Es war ein längerer Prozess, die Bewegungen der Mäuse zu verinnerlichen" sagte die Regisseurin Karin Derks. Gerade weil die Mäuse ständig zusammen sind, waren die Proben auch immer ein Gruppenfindungsprozess.
So eng, wie Mäuse sonst zusammen leben, ging es aber im Rudel des überaus starken Willibald irgendwann nicht mehr zu. Aus Angst vor einem unsichtbaren Feind, die getigerte Katze, suchen die Mäuse nach einem starken Anführer.
Kurzerhand wird der demokratische Präsident abgesetzt, und Willibald, gespielt von Leon Fried, übernimmt die Macht.
Nun baut er eine Schreckensherrschaft auf. Er engtzweit das Rudel und hetzt alle gegen Lillimaus, gespielt von Charlotte Rautenberg, auf. Sie ist die einzige weiße Maus zwischen all den grauen, muss gehen und ist Opfer von Schikanen. Durch Intelligenz schafft sie es allerdings immer wieder, sich zu behaupten.
In der Willibald-Diktatur gibt es die typischen Charaktere: die Mitläufer, die Wegducker und den Widerstand. Am Ende des Stücks ist es der Zufall, der helfend einspringt.
60 MInuten lang tobten und sangen die Schauspieler über die Bühne und präsentierten das TiM-Theater in seinen vielen Facetten. Das sonnige Wetter verhinderte wohl, dass mehr Stuhlreihen besetzt waren. Nur rund 30 Zuschauer verfolgten die letzte große Premiere im TiM-Theater an der Römerstraße vor der großen Sanierung.
Mit Beginn der Sommerferien wird das Gebäude komplett überholt. Leiterin Karin Derks ist für diese Zeit für jede Art der Unterstellmöglichkeiten dankbar. "Wer eine Bühne hat, auf der wir proben können, kann sie uns aber auch gerne zur Verfügung stellen" sagt Derks.
Zum Abschluss der Spielzeit wird es am 4. Juli ein Familienfest geben.

 

zum Stück:

In einem großen grauen Haus lebt friedlich eine Mäusefamilie. Doch der Frieden ist dahin, als sich der überaus starke Willibald zum Mäuseboss erklärt. Von nun an hat jeder auf sein Kommando zu hören.
Lillimaus lässt er wegen ihres weißen Fells und ihrer roten Augen in die Bibliothek einsperren, da sie angeblich eine Gefahr für die Gesellschaft ist.

Ihre Chance sind die Bücher, in den sie zu stöbern beginnt. Lillimaus bringt sich das Lesen bei und lernt aus den Büchern, dass nicht immer der Stärkere automatisch Recht hat.
Als der überaus starke Willibald dann versucht, die zum Räuchern aufgehängten
Schinken in der Vorratskammer der Menschen durch einen Turm aus Bauklötzen zu erreichen, stürzt nicht nur der Turm ein...

Halb Fabel, halb soziale Parabel zeigt dieses temporeiche Musical mit seinen eingängigen Melodien, wie eine Gruppe für die Sprüche eines “starken Mannes” anfällig wird und sich zum bedingungslosen Gehorsam verführen lässt.

„Der überaus starke Willibald" ist mehr als nur eine Kindergeschichte. Es ist durchaus auch sehenswert für Erwachsene und vor allem aber eine Aufforderung zu Menschlichkeit und freien Meinungsäußerung.